"Das Land des reinen Verstandes ist eine Insel. Und durch die Natur selbst in unveränderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit, umgeben von einem weiten und stürmischen Ozean, dem eigentlichen Sitz des Scheins, wo manche Nebelbank und und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt und indem es dem auf Entdeckungen herumschwärmenden Seefahrer unaufhörlich mit leeren Hoffnungen täuscht, ihn in Abenteuer verflechtet, von denen er niemals ablassen und sie doch auch niemals zu Ende bringen kann." Kant, KrV.
Das Land ist unsere Welt der empirischen Dinge. Der Erscheinungen, die mit den Sinnen erfasst werden können. Hier hat der Verstand aber seine Grenze erreicht. Der Ozean aber ist die Welt des Dinges an sich. Die Vernunft kann mit einer nicht-abnehmbaren Brille verglichen werden. Und wir können die Welt nur durch diese "Verstandes-Brille" wahrnehmen. Wie die Welt aber wirklich ist (an sich ist, also jenseits der Prägung der Wahrnehmung durch die Kategorien unserer Vernunft), wissen wir nicht...
Die Vernunft wird von Fragen bedrängt, die sie nicht abweisen kann, aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft. Gemeint sind damit auch die Antinomien (Widersprüche), die zu Aporien (Ausweglosigkeiten) des Verstandes werden. Konkret: Ist die Welt z.B. in Raum und Zeit begrenz oder unbegrenzt? Hat sie einen Anfang und ein Ende oder nicht? Besteht die Welt aus kleinsten unteilbaren Teilchen oder ist sie im kleinsten immer weiter teilbar? Kant macht uns die Offenheit und Unabschliessbarkeit allen Wissens deutlich! Kant plädiert auch für Gott, macht aber klar, dass die Existenz Gottes rational nicht bewiesen werden kann. Versucht der Mensch das "Absolute", das "Unbedingte" genauer zu verstehen, verwickelt er sich in Widersprüche.
Zur Überwindung der Skepsis bedarf es aber des Glaubens an ein Ideal, an ein höchstes Gutes, an einen Gott. Gott, Freiheit und Unsterblichkeit sind Postulate, können aber nicht bewiesen werden. Unsere Pflichten als Gebote Gottes aufzufassen und unsere Versuche nach moralischer Vervollkommnung - als Endzweck der Schöpfung - drücken eine Zuversicht aus, dass unsere praktischen Bemühungen um das Gute letztlichendlich nicht vergebens sein werden.
Evolutionäre Spiritualität ist eine globale spirituelle Weltsicht, die versucht den materialistischen Reduktionismus zu überwinden. Es geht um eine evolutionäre Perspektive mit spiritueller Tiefe. Die Welt ist ein interdependentes Netz, und sie wird als heilig angesehen. Meine Gedanken zum Thema versuchen dabei sowohl kritisch-aufgeklärter Philosophie zu folgen, wie auch offen zu sein für die Weisheiten der verschiedenen Weltreligionen.
Freitag, 30. April 2010
Mittwoch, 28. April 2010
Sein und Werden
Während einem mit dem Existenzialismus unheimlich ist in dieser Welt, vertritt die Evolutionäre Spiritualität eine starke, lebensbejahende Position. Zentral ist der "Wille zur Existenz"! Diese Welt ist gut, und es hat schon seine Gründe, warum wir hier sind. Es ist ein kosmischer Wille am Werke. Wir sind vom göttlichen, evolutionären Impuls nicht getrennt. Es war eine göttliche Energie und Intelligenz welche den schöpferischen, kreativen Prozess gestartet hat. Und welche bis heute in dieser Welt zur weiteren Entwicklung drängt. Und in unserem Innersten, in unserer Seele, sind wir von dieser Kraft nicht getrennt, sondern Teil von ihr. Wir sind eine göttliche Manifestation in menschlicher Form. Die einfachste Form des kreativen Impulses ist der sexuelle Impuls. (Freud hat das ja schon ähnlich gesehen, mit seinem "Es", das als Lustprinzip die Energiequelle unseres psychischen Handelns ist.) Aber der göttliche Eros, der die Entwicklung der Welt vorantreibt, ist weit mehr. Es ist ein Werden, das von einer ekstatischen Dringlichkeit zu existieren besessen ist. Die Kreativität dieser Welt bringt immer mehr Komplexität und Integration hervor. Neues verwirklicht sich, schöpferisch und innovativ. Und die Ursache dafür liegt im Grunde des Seins/Gott. Wenn wir die kosmozentrische Perspektive einnehmen und uns die Entwicklung vom Big Bang bis zu uns vor Augen führen, dann werden wir zum evolutionären Impuls erleuchtet. Dieser ist ein grosses Ja zum Leben, das keine Zweifel lässt.
Der Sinn unseres Daseins in der Welt liegt darin den evolutionären Prozess/das Leben/die Menschheit eine Stufe weiter zu bringen. Wir sind also auf dieser Welt, weil wir leben sollen. Und was sollen wir tun? - Leben. Aber leben in einem Sinne, der mehr ist als blosser Hedonismus. Vielmehr sollten wir die kosmischen Gründe spüren, nämlich, dass das Universum sich durch uns entwickeln kann. Es geht um eine kollektive Evolution und die Entwicklung eines "höheren Wirs". Es geht um ein tiefes Vertrauen in die Gutheit der Schöpfung, um einen kosmischen Willen zur Existenz, ein aktives JA! Das Göttliche erwacht durch uns zu Leben. Und wir stellen die Spitze des evolutionären Prozesses dar.
Wer sich nun aber fragt, wer sollte den ersten Schritt zum Neuen machen, der sei auf die Perspektive des Alleinseins verwiesen. Es gibt nur mich, also kann auch nur ich den nächsten Schritt machen.
Wem nun darin zuviel "Sturm und Drang" ist, der sei noch an die andere Seite erinnert: das Sein. Dies ist der Bereich des Ewigen. In der göttlichen Sphäre des Unmanifesten herrscht ewiger Frieden. Gott hat also zwei Gesichter: Friede und Sehnsucht.
Notizen aus einem virtuellen Retreat mit Andrew Cohen.
An dieser Stelle sei auch noch einmal an einen Post von vor gut einem Jahr (10.3.09) erinnert, in dem eine gar nicht so grundverschiedene UU Glaubensperspektive entwickelt wurde:
Der Sinn unseres Daseins in der Welt liegt darin den evolutionären Prozess/das Leben/die Menschheit eine Stufe weiter zu bringen. Wir sind also auf dieser Welt, weil wir leben sollen. Und was sollen wir tun? - Leben. Aber leben in einem Sinne, der mehr ist als blosser Hedonismus. Vielmehr sollten wir die kosmischen Gründe spüren, nämlich, dass das Universum sich durch uns entwickeln kann. Es geht um eine kollektive Evolution und die Entwicklung eines "höheren Wirs". Es geht um ein tiefes Vertrauen in die Gutheit der Schöpfung, um einen kosmischen Willen zur Existenz, ein aktives JA! Das Göttliche erwacht durch uns zu Leben. Und wir stellen die Spitze des evolutionären Prozesses dar.
Wer sich nun aber fragt, wer sollte den ersten Schritt zum Neuen machen, der sei auf die Perspektive des Alleinseins verwiesen. Es gibt nur mich, also kann auch nur ich den nächsten Schritt machen.
Wem nun darin zuviel "Sturm und Drang" ist, der sei noch an die andere Seite erinnert: das Sein. Dies ist der Bereich des Ewigen. In der göttlichen Sphäre des Unmanifesten herrscht ewiger Frieden. Gott hat also zwei Gesichter: Friede und Sehnsucht.
Notizen aus einem virtuellen Retreat mit Andrew Cohen.
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An dieser Stelle sei auch noch einmal an einen Post von vor gut einem Jahr (10.3.09) erinnert, in dem eine gar nicht so grundverschiedene UU Glaubensperspektive entwickelt wurde:
Mittwoch, 21. April 2010
Andrew Cohen zu Nondualität und Kreativität
Das Eine zwischen Zweien
Das Ziel von Evolutionary Enlightenment ist die Emergenz eines aussergewöhnlichen Potentials, das ich "intersubjektive Nondualität" nenne. Was ist damit gemeint? - "Nondualität" wird meist in der Bedeutung Einssein oder Nicht-Zweiheit gebraucht. Und das bezieht sich auf die ewige, spirituelle Erkenntnis, dass es kein Anderes gibt. Und "intersubjektiv" bedeutet zwischen Menschen. Somit bedeutet "intersubjektive Nondualität", einfach ausgedrückt, Das Eine zwischen Zweien. Es bedeutet also die Erfahrung des Einssein in einem Beziehungsfeld. Normalerweise erleben wir andere Menschen als von uns getrennt, als ausserhalb unserer Erfahrung der Subjektivität. Ausser in seltenen Momenten, wie zum Beispiel denen sexueller Intimität, scheint es, als gäbe es zwischen uns eine undurchdringliche Wand. Aber ich habe erkannt, dass das befreiende Wissen, dass es kein Anderes gibt - was die Grundlage des erleuchteten Bewusstseins ist -, dort, wo zwei oder mehr Menschen zur gleichen Zeit zur Wahrheit des Einsseins erwachen, eine gemeinsame Erfahrung werden kann.
Wenn dies geschieht, machen wie alle eine paradoxe Erfahrung: Es scheint so, als würde ich hier als getrenntes Individuum existieren. Und doch erlebe ich dich und mich so, dass wir nicht zwei sind. Und das verändert alles. Warum? Weil sich dann die Erleuchtung, die direkte Erfahrung des Einsseins, aus dem rein subjektiven Erleben des Einzelnen löst und zu einem gemeinsamen, intersubjektiven Umfeld wird, in dem Beziehung lebt. Wunderbarerweise ist Nondualität nicht mehr nur eine abstrakte Idee oder gar eine persönliche Offenbarung, sondern wird zum Fundament unserer zwischenmenschlichen Kultur. Für mich ist es das, was die Kraft des erleuchteten Bewusstseins befähigt, wirkliche Veränderung in der Welt zu bewirken. Die Entdeckung der intersubjektiven Nondualität ist nichts weniger als die Grundlage für die Bildung einer spirituell bewussten Kultur.
Andrew Cohen, Zitat der Woche, 20.4.10.
Das Ziel von Evolutionary Enlightenment ist die Emergenz eines aussergewöhnlichen Potentials, das ich "intersubjektive Nondualität" nenne. Was ist damit gemeint? - "Nondualität" wird meist in der Bedeutung Einssein oder Nicht-Zweiheit gebraucht. Und das bezieht sich auf die ewige, spirituelle Erkenntnis, dass es kein Anderes gibt. Und "intersubjektiv" bedeutet zwischen Menschen. Somit bedeutet "intersubjektive Nondualität", einfach ausgedrückt, Das Eine zwischen Zweien. Es bedeutet also die Erfahrung des Einssein in einem Beziehungsfeld. Normalerweise erleben wir andere Menschen als von uns getrennt, als ausserhalb unserer Erfahrung der Subjektivität. Ausser in seltenen Momenten, wie zum Beispiel denen sexueller Intimität, scheint es, als gäbe es zwischen uns eine undurchdringliche Wand. Aber ich habe erkannt, dass das befreiende Wissen, dass es kein Anderes gibt - was die Grundlage des erleuchteten Bewusstseins ist -, dort, wo zwei oder mehr Menschen zur gleichen Zeit zur Wahrheit des Einsseins erwachen, eine gemeinsame Erfahrung werden kann.
Wenn dies geschieht, machen wie alle eine paradoxe Erfahrung: Es scheint so, als würde ich hier als getrenntes Individuum existieren. Und doch erlebe ich dich und mich so, dass wir nicht zwei sind. Und das verändert alles. Warum? Weil sich dann die Erleuchtung, die direkte Erfahrung des Einsseins, aus dem rein subjektiven Erleben des Einzelnen löst und zu einem gemeinsamen, intersubjektiven Umfeld wird, in dem Beziehung lebt. Wunderbarerweise ist Nondualität nicht mehr nur eine abstrakte Idee oder gar eine persönliche Offenbarung, sondern wird zum Fundament unserer zwischenmenschlichen Kultur. Für mich ist es das, was die Kraft des erleuchteten Bewusstseins befähigt, wirkliche Veränderung in der Welt zu bewirken. Die Entdeckung der intersubjektiven Nondualität ist nichts weniger als die Grundlage für die Bildung einer spirituell bewussten Kultur.
Andrew Cohen, Zitat der Woche, 20.4.10.
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The Greatest Good
From an evolutionary perspective or worldview, development - the emergence of that which is new - is seen as the greatest good. So during the limited time that each of us has here on Earth, we all have the opportunity to develop, to make a difference in this world through applying our God-given capacity for free agency, or freedom of choice, to our own conscious evolution. No matter who we are, we all have some measurable, not insignificant degree of free agency. And learning how to activate that gift, so that which is truly higher and new can emerge through us, is what makes all the difference.
Andrew Cohen, Quote of the Week, 20.4.10
Donnerstag, 15. April 2010
Vielfalt der Schöpfung & das Licht der Hoffnung
Die Vielfalt des Guten und des Schönen macht das Gute noch besser und das Schöne noch schöner. Warum soll das nicht auch für die Vielfalt des Wahren und des Göttlichen gelten?
Perry Schmidt-Leukel, SF, 16.4.06
Der Mensch kann nur leben, wo die Liebe ist.
Die beiden Zitate stammen aus Sternstunden-Sendungen des Schweizer Fernsehens: Streitfragen der Theologie.
Perry Schmidt-Leukel, SF, 16.4.06
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Der Mensch kann nur leben, wo die Liebe ist.
Gott ist das Licht der Hoffnung.
Und Religion ist notwendig, damit wir als Menschen menschlich leben können.
Eugen Drewermann, SF, 24.7.05
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Die beiden Zitate stammen aus Sternstunden-Sendungen des Schweizer Fernsehens: Streitfragen der Theologie.
Freitag, 9. April 2010
Prozesstheologie und das Theodizee-Problem
Schöpfung findet nicht aus dem Nichts statt. Vielmehr ist die Allmacht Gottes beschränkt. Gott ist das schöpferische Zentrum, das kreativ auf eine bereits bestehende chaotische Urmaterie einwirkt. (In eine ähnliche Richtung geht die Unterscheidung von purusha und prakriti in der indischen Philosophie.) Gott ist das Tao. Gott ist eine geistige Kraft, die zu immer höherer Weiterentwicklung führt. Aber das von Gott Geschaffene besitzt eine eigene Selbständigkeit. Mit jeder Höherentwicklung der Welt steigt auch die Selbständigkeit und die Eigenverantwortung der Welt. Und Werte lassen sich auch für Gott nur über den Umweg der Eigenständigkeit der Geschöpfe schaffen. Aber nicht nur die Fähigkeit zum Guten wächst, sondern auch die Fähigkeit zum Bösen. Das Gute lässt sich nicht ohne die Möglichkeit des Bösen hervorbringen. Ein freier Wille impliziert, dass man sich auch für das Falsche entscheiden kann. Gott ist mächtig, aber nicht allmächtig. Leid und Übel werden als Folge der Eigenständigkeit der Materie gesehen. Klassische theologische Alternativen für das Theodizee-Problem wären, das Leid als Strafe (Erbsünde: kollektiv, Karma: individuell), als Prüfung oder einfach als unerklärlich zu sehen. Aber egal welcher Blickwinkel gewählt wird, im Leiden muss an Gott festgehalten werden.
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Ist die Emergenz des menschlichen Bewusstseins zu Selbstbewusstsein und damit zum Bewusstsein von Gut und Böse gleich einer Strafe, wie der Vertreibung aus dem Paradies? Oder kommt die Grösse Gottes in einer völlig lebendigen Menschheit zum Ausdruck?
Mittwoch, 7. April 2010
Kurz und bündig
Vor 2000 Jahren machte sich ein jüdischer Wanderprediger auf. In Palästina predigte er Umkehr und Liebe. Man wird ihn töten. Doch seine Botschaft überlebt und wird die Welt verändern. Es ist der Glaube, dass allem Leid zum Trotz, das Leben unter dem Schutz Gottes steht. Und dass diese Geschichte zu Letzt ein gutes Ende nimmt.
Samstag, 27. März 2010
Furcht ist wie Feuer!
"Furcht ist wie Feuer. Wenn du es beherrschst, dann heizt es dein Haus und kann dein Essen kochen. Aber wenn es die Oberhand gewinnt, dann kann es dich verbrennen, dich vernichten. Du kannst die Furcht kontrollieren. Kontrollierst du deine Furcht, kontrollierst du dein Leben."
Alex, 'In Treatment', 24.3.10, 3sat
Alex, 'In Treatment', 24.3.10, 3sat
Sonntag, 21. März 2010
Eine Reise ins Heilige Land ...
Ein Mann und seine ewig nörgelnde Frau verreisen nach Jerusalem in die Ferien. Während ihres Aufenthaltes stirbt seine Frau. Der Bestattungsunternehmer macht dem Mann folgendes Angebot: "Sie können Ihre Frau hier im Heiligen Land begraben lassen, das kostet $150. Oder wir können sie zurück zu Ihnen nachhause verschiffen. Das würde $5000 kosten." Der Ehemann überlegt sich die Sache und teilt dem Bestattungsunternehmer mit, dass er seine Frau nachhause verschifft haben möchte.
Der Bestattungsunternehmer ist verdutzt und fragt: "Wieso möchten Sie ihre Frau nachhause verschiffen, kostet das doch $5000? Ein schönes Begräbnis hier würde nur $150 kosten." Der Ehemann antwortet: "Vor langer Zeit starb hier ein Mann. Er wurde begraben. Aber nach drei Tagen auferstand er von den Toten. Ich kann dieses Risiko einfach nicht eingehen!"
Der Bestattungsunternehmer ist verdutzt und fragt: "Wieso möchten Sie ihre Frau nachhause verschiffen, kostet das doch $5000? Ein schönes Begräbnis hier würde nur $150 kosten." Der Ehemann antwortet: "Vor langer Zeit starb hier ein Mann. Er wurde begraben. Aber nach drei Tagen auferstand er von den Toten. Ich kann dieses Risiko einfach nicht eingehen!"
Mittwoch, 17. März 2010
Anatomie der menschlichen Destruktivität
So lautet der Titel von einem Hauptwerk von Erich Fromm. Wegen seines Umfangs konnte ich mich bis heute leider noch nicht dazu überwinden, es ganz zu lesen. Nun hat BRalpha ein Gespräch mit Erich Fromm wiederholt (am 15.3.10; anlässlich seines 30. Todestages), das genau dieses Buch zum Inhalt hatte. Meine Notizen:
Ist Aggression das angeborene Böse? - Fromm meint nein. Tiere haben zwar angeborene Aggression, setzen diese aber nur defensiv ein, nur wenn sie wirklich notwendig ist. Der Mensch ist das einzige Tier, das Destruktivität auch ganz irrational einsetzt. Der Mensch kann eine Lust am zerstören und quälen entwickeln, wie sie so im Tierreich nirgendwo vorkommt. Evolutionär kann der Übergang vom Tier zum Menschen durch drei Faktoren beschrieben werden: immer tiefere Instinktdeterminiertheit, eine rapide Zunahme an Denkkapazität und schliesslich die Herausbildung eines Selbstbewusstseins. So ist der Mensch aus der Natur herausgetreten. Kultur hat die Rolle von Instinkten übernommen. Und der Mensch kämpft um Freiheit, um sich vollkommen entfalten zu können.
Aber der Mensch hat eine spezifisch bösartige Destruktivität, die nur ihm eigen ist. Warum aber dieses menschlich abgrundtief Böse? - Eine religiöse Antwort wäre z.B., dass es die Folge des Sündenfalls ist und somit unsere Bestrafung. Menschliche Ursachen können grundsätzlich zweierlei angegeben werden: einerseits gesellschaftliche, ökonomische und politische, anderseits unsere Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit.
Fromm hat nun zwei Formen der Destruktivität besonders untersucht: den Sadismus und die Nekrophilie.
Im Falle des Sadisten werden einerseits sexuelle Gründe genannt. Die Lust andere körperlich und psychisch zu fesseln, zu quälen, zu demütigen und zu verletzen. Fromm geht es aber weniger um diese sexuelle Komponente, als um die Leidenschaft ein anderes Lebewesen vollkommen zu kontrollieren, Macht über andere Lebewesen zu haben. Es ist der Traum von Allmacht. Der Sadist hasst nie den Starken. Er verehrt den, der ihm überlegen ist. Aber der Sadist hasst den, der schwach ist. Ohnmacht ruft die Besessenheit hervor, den anderen zu kontrollieren, ihn zu seinem Objekt zu machen. (Anstatt ihn zu lieben!) Egal ob Hund, Kind, Sklave oder abhängige Menschen. Der Sadismus ist die Leidenschaft der seelischen Krüppel! Es ist der Versuch die eigene Ohnmacht - sowohl sozial (soziale Bedingungen), wie auch existenziell (Tod) - zu kompensieren, indem man Gott wird. Es ist ein Allmachtswahn, für den der Sadist bereit ist, alles zu opfern.
Die andere Form der menschlichen Destruktivität ist die Nekrophilie - die Leichenschändung. Es ist das Bedürfnis zu zerstückeln: Leichen, Menschen, kurz alles Lebendige! Während der Sadist das Leben nicht zerstören will, hasst der Nekrophile das Leben. Der Sadist will es nur ganz beherrschen, der Nekrophile will es ganz zerstören. Der Nekrophile will Rache nehmen, dass er selbst das Leben nicht erlebt hat. Der Gegenbegriff wäre Biophilie: die Liebe zum Lebendigen, der Wunsch das Wachstum zu fördern.
Fromm hat sich natürlich auch Gedanken gemacht, wie die menschliche Destruktivität überwunden werden kann? - Wenn das Leben interessant, liebenswert und lebenswert ist. Wenn Menschen Freude am Leben haben. Dann verwandelt sich ihre Lebensenergie nicht in sadistische oder destruktive Energie. Heute ist aber das Leben vielfach uninteressant und langweilig. Und die Destruktivität ist die Antwort auf das ungelebte Leben.
***
Ist Aggression das angeborene Böse? - Fromm meint nein. Tiere haben zwar angeborene Aggression, setzen diese aber nur defensiv ein, nur wenn sie wirklich notwendig ist. Der Mensch ist das einzige Tier, das Destruktivität auch ganz irrational einsetzt. Der Mensch kann eine Lust am zerstören und quälen entwickeln, wie sie so im Tierreich nirgendwo vorkommt. Evolutionär kann der Übergang vom Tier zum Menschen durch drei Faktoren beschrieben werden: immer tiefere Instinktdeterminiertheit, eine rapide Zunahme an Denkkapazität und schliesslich die Herausbildung eines Selbstbewusstseins. So ist der Mensch aus der Natur herausgetreten. Kultur hat die Rolle von Instinkten übernommen. Und der Mensch kämpft um Freiheit, um sich vollkommen entfalten zu können.
Aber der Mensch hat eine spezifisch bösartige Destruktivität, die nur ihm eigen ist. Warum aber dieses menschlich abgrundtief Böse? - Eine religiöse Antwort wäre z.B., dass es die Folge des Sündenfalls ist und somit unsere Bestrafung. Menschliche Ursachen können grundsätzlich zweierlei angegeben werden: einerseits gesellschaftliche, ökonomische und politische, anderseits unsere Auseinandersetzung mit unserer Sterblichkeit.
Fromm hat nun zwei Formen der Destruktivität besonders untersucht: den Sadismus und die Nekrophilie.
Im Falle des Sadisten werden einerseits sexuelle Gründe genannt. Die Lust andere körperlich und psychisch zu fesseln, zu quälen, zu demütigen und zu verletzen. Fromm geht es aber weniger um diese sexuelle Komponente, als um die Leidenschaft ein anderes Lebewesen vollkommen zu kontrollieren, Macht über andere Lebewesen zu haben. Es ist der Traum von Allmacht. Der Sadist hasst nie den Starken. Er verehrt den, der ihm überlegen ist. Aber der Sadist hasst den, der schwach ist. Ohnmacht ruft die Besessenheit hervor, den anderen zu kontrollieren, ihn zu seinem Objekt zu machen. (Anstatt ihn zu lieben!) Egal ob Hund, Kind, Sklave oder abhängige Menschen. Der Sadismus ist die Leidenschaft der seelischen Krüppel! Es ist der Versuch die eigene Ohnmacht - sowohl sozial (soziale Bedingungen), wie auch existenziell (Tod) - zu kompensieren, indem man Gott wird. Es ist ein Allmachtswahn, für den der Sadist bereit ist, alles zu opfern.
Die andere Form der menschlichen Destruktivität ist die Nekrophilie - die Leichenschändung. Es ist das Bedürfnis zu zerstückeln: Leichen, Menschen, kurz alles Lebendige! Während der Sadist das Leben nicht zerstören will, hasst der Nekrophile das Leben. Der Sadist will es nur ganz beherrschen, der Nekrophile will es ganz zerstören. Der Nekrophile will Rache nehmen, dass er selbst das Leben nicht erlebt hat. Der Gegenbegriff wäre Biophilie: die Liebe zum Lebendigen, der Wunsch das Wachstum zu fördern.
Fromm hat sich natürlich auch Gedanken gemacht, wie die menschliche Destruktivität überwunden werden kann? - Wenn das Leben interessant, liebenswert und lebenswert ist. Wenn Menschen Freude am Leben haben. Dann verwandelt sich ihre Lebensenergie nicht in sadistische oder destruktive Energie. Heute ist aber das Leben vielfach uninteressant und langweilig. Und die Destruktivität ist die Antwort auf das ungelebte Leben.
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Ins Dasein geworfen.
Ins Dasein geliebt.
Das Mysterium,
das dem Leben seinen Sinn gibt.
Das Unverzeiliche zu vergeben.
Atemberaubend -
die Seele des Guten.
Das Mysterium,
das dem Leben seinen Sinn gibt.
Das Unverzeiliche zu vergeben.
Atemberaubend -
die Seele des Guten.
Samstag, 13. März 2010
Gewaltprävention durch Förderung von Sozialkompetenz
"Brutal, kaltblütig, gnadenlos" betitelte die NZZ jüngst einen Artikel und fragte: Wächst eine junge Generation ohne Empathie und Respekt heran? (vgl. Linkliste unten)
Frustration abzureagieren wird zum Handlungsmotiv. Wird erst einmal zugeschlagen, dann fehlt jede Empathie, Reue oder Hemmschwelle. Sogenannte "Risikofaktoren" gewalttätig zu werden sind: mangelnde emotionale Bindung zu Eltern und Vertrauenspersonen, fehlende Betreuung, häusliche Gewalt, Mobbing, schulischer Misserfolg, Alkohol- und Drogenmissbrauch. V.a. aber gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bildung und Gewalt. Je höher die Bildung, desto geringer die Gewaltbereitschaft und umgekehrt! Einsicht und Verständnis lassen friedfertig werden.
Jugendliche brauchen mehr Orientierung und Integration. Zukunftsängste, Leistungsdruck, sowie Perspektivlosigkeit führen zu Resignation und brüchiger sozialer Einbindung. Ein zivilisierter Umgang entsteht nicht von selbst, sondern muss immer wieder vorgelebt werden. Wichtig sind Empathie, Respekt, Hilfsbereitschaft, Gewissen, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle. Sie sind die Basis einer konstruktiven Konfliktbewältigung. Neben der Familie kommt v.a. der Schule eine grosse Bedeutung zu im Vermitteln von sozialkognitiven Kompetenzen. Denn Gewaltprävention ist ein Muss! Jede Tat hinterlässt bei Opfern und Tätern tiefe Spuren. Oft lebenslang.
Jugendgewalt hat meist ihre Ursachen in der Kindheit. Mit zunehmendem Alter wird körperliche Aggression seltener. Dank zunehmender Sozialkompetenz werden aggressive Impulse unter Kontrolle gehalten und es werden Alternativen zum Einsatz von Gewalt gefunden. Aber trotzdem bleibt Aggressivität häufig ein stabiles Merkmal in der Entwicklung eines Menschen. Gewalt und Aggression sind aber meist Indikator für schwerwiegende Verhaltensprobleme. Gewaltprävention kann deswegen zu einer breiten Förderung von Lebenschancen führen.
Damit Gewalt ausbrechen kann ist eine Kombination von Disposition und Situation notwendig. Auf der Seite der individuellen Faktoren stehen die Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens mit Familie, Schule, Gleichaltrigen, Nachbarschaft und in der Gemeinde gemacht hat. Es ergibt sich so ein je spezifischer krimineller Lebenslauf. Auf der Seite der situativen Faktoren sind es: soziale Kontrolle, Gelegenheiten, potentielle Opfer, Streit/Provokation. Massnahmen zur Gewaltprävention müssen entsprechend auf den verschiedenen Wirkungsebenen ansetzen. Eisner et al. haben die wichtigsten Risikofaktoren für Gewalt und Aggression in den verschiedenen Lebensphasen zusammengetragen (Tabelle 6 aus 'Prävention von Jugendgewalt' '06; vgl. Linkliste unten):
Frustration abzureagieren wird zum Handlungsmotiv. Wird erst einmal zugeschlagen, dann fehlt jede Empathie, Reue oder Hemmschwelle. Sogenannte "Risikofaktoren" gewalttätig zu werden sind: mangelnde emotionale Bindung zu Eltern und Vertrauenspersonen, fehlende Betreuung, häusliche Gewalt, Mobbing, schulischer Misserfolg, Alkohol- und Drogenmissbrauch. V.a. aber gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Bildung und Gewalt. Je höher die Bildung, desto geringer die Gewaltbereitschaft und umgekehrt! Einsicht und Verständnis lassen friedfertig werden.
Jugendliche brauchen mehr Orientierung und Integration. Zukunftsängste, Leistungsdruck, sowie Perspektivlosigkeit führen zu Resignation und brüchiger sozialer Einbindung. Ein zivilisierter Umgang entsteht nicht von selbst, sondern muss immer wieder vorgelebt werden. Wichtig sind Empathie, Respekt, Hilfsbereitschaft, Gewissen, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle. Sie sind die Basis einer konstruktiven Konfliktbewältigung. Neben der Familie kommt v.a. der Schule eine grosse Bedeutung zu im Vermitteln von sozialkognitiven Kompetenzen. Denn Gewaltprävention ist ein Muss! Jede Tat hinterlässt bei Opfern und Tätern tiefe Spuren. Oft lebenslang.
Jugendgewalt hat meist ihre Ursachen in der Kindheit. Mit zunehmendem Alter wird körperliche Aggression seltener. Dank zunehmender Sozialkompetenz werden aggressive Impulse unter Kontrolle gehalten und es werden Alternativen zum Einsatz von Gewalt gefunden. Aber trotzdem bleibt Aggressivität häufig ein stabiles Merkmal in der Entwicklung eines Menschen. Gewalt und Aggression sind aber meist Indikator für schwerwiegende Verhaltensprobleme. Gewaltprävention kann deswegen zu einer breiten Förderung von Lebenschancen führen.
Damit Gewalt ausbrechen kann ist eine Kombination von Disposition und Situation notwendig. Auf der Seite der individuellen Faktoren stehen die Erfahrungen, die man im Laufe seines Lebens mit Familie, Schule, Gleichaltrigen, Nachbarschaft und in der Gemeinde gemacht hat. Es ergibt sich so ein je spezifischer krimineller Lebenslauf. Auf der Seite der situativen Faktoren sind es: soziale Kontrolle, Gelegenheiten, potentielle Opfer, Streit/Provokation. Massnahmen zur Gewaltprävention müssen entsprechend auf den verschiedenen Wirkungsebenen ansetzen. Eisner et al. haben die wichtigsten Risikofaktoren für Gewalt und Aggression in den verschiedenen Lebensphasen zusammengetragen (Tabelle 6 aus 'Prävention von Jugendgewalt' '06; vgl. Linkliste unten):
- Säugling bis Kleinkindalter
- Individuum: Ruhelosigkeit, Aufmerksamkeitsschwäche, Impulsivität, mangelnde Frustrationstoleranz, feindliche Wahrnehmungsmuster
- Familie: Drogenmissbrauch während der Schwangerschaft, Geburtskomplikationen, geringe elterliche emotionale Wärme, Misshandlung, Vernachlässigung, Überforderung, Depression der Mutter, tiefe sozio-ökonomische Lage.
- Familie: geringe elterliche emotionale Wärme, mangelnde elterliche Aufsicht, inkonsistenter und ineffizienter Erziehungsstil, Desinteresse der Eltern an kindlichen Aktivitäten, elterliche Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, Streit zwischen den Elternteilen
- Schule und Freizeit: schulische Probleme und geringe schulische Motivation, Unbeliebtheit bei Gleichaltrigen, unklare Regeldurchsetzung im Schulhaus, negatives Schulhausklima.
- Familie: inkonsistenter und ineffizienter Erziehungstil, elterliches Desinteresse
- Schule: schulischer Misserfolg, negatives Schulhausklima
- Gleichaltrige und Lebenstil: gewaltbefürwortende Normen unter Freunden, Gewalt in der Clique, "actionorientierter" Lebensstil, Konsum von gewalttätigen Medien
- Nachbarschaft und soziales Umfeld: soziale Benachteiligung/tiefe soziale Lage, geringer Zusammenhalt im Quartier, viele Umzüge, Kriminalität/Drogenprobleme/Prostitution im Quartier, geringes Engagement für geteilte Anliegen.
Für das einzelne Individuum zentral ist seine Persönlichkeit. Im Laufe des Lebens erworbene soziale Kompetenzen können zu einem wichtigen Schutzfaktor gegen spätere Entstehung von Gewalt sein! Hier setzen auch viele Gewaltpräventionsprogramme an.
Das Trainingsprogramm PFADE versucht durch Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz Gefühls- und Verhaltensstörungen vorzubeugen. Die Schule sollte, neben Lesen und Schreiben und Mathematik, auch helfen die grundlegenden Sozialkompetenzen zu entwickeln. Gefragt sind gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien, Deeskalationstechniken und friedliche Selbstbehauptung. Die wichtigsten Bausteine sind:
Denn mangelnde Selbstkontrolle, geringe emotionale Kompetenzen, fehlende Empathie und Perspektivenübernahme, fehlende soziale Problemlösungsfähigkeiten und ein negatives Klassen- und Schulhausklima sind stark für das Aufkommen von Gewalt und Drogenmissbrauch verantwortlich.
Wichtige Links:
- "Brutal, kaltblütig, gnadenlos", von Elsbeth Tobler, NZZ online, 13.3.10
- Eisner et al., 'Prävention von Jugendgewalt', Eidgenössische Ausländerkommission, 2006
- und der aktuellere und umfangreichere Bericht von 2009, vom Bundesamt für Sozialversicherungen:
- Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung von Kindern - z-proso.
***
- Familie: Drogenmissbrauch während der Schwangerschaft, Geburtskomplikationen, geringe elterliche emotionale Wärme, Misshandlung, Vernachlässigung, Überforderung, Depression der Mutter, tiefe sozio-ökonomische Lage.
- Primarschulalter:
- Familie: geringe elterliche emotionale Wärme, mangelnde elterliche Aufsicht, inkonsistenter und ineffizienter Erziehungsstil, Desinteresse der Eltern an kindlichen Aktivitäten, elterliche Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung, Streit zwischen den Elternteilen
- Schule und Freizeit: schulische Probleme und geringe schulische Motivation, Unbeliebtheit bei Gleichaltrigen, unklare Regeldurchsetzung im Schulhaus, negatives Schulhausklima.
- Jugendalter:
- Familie: inkonsistenter und ineffizienter Erziehungstil, elterliches Desinteresse
- Schule: schulischer Misserfolg, negatives Schulhausklima
- Gleichaltrige und Lebenstil: gewaltbefürwortende Normen unter Freunden, Gewalt in der Clique, "actionorientierter" Lebensstil, Konsum von gewalttätigen Medien
- Nachbarschaft und soziales Umfeld: soziale Benachteiligung/tiefe soziale Lage, geringer Zusammenhalt im Quartier, viele Umzüge, Kriminalität/Drogenprobleme/Prostitution im Quartier, geringes Engagement für geteilte Anliegen.
Für das einzelne Individuum zentral ist seine Persönlichkeit. Im Laufe des Lebens erworbene soziale Kompetenzen können zu einem wichtigen Schutzfaktor gegen spätere Entstehung von Gewalt sein! Hier setzen auch viele Gewaltpräventionsprogramme an.
Das Trainingsprogramm PFADE versucht durch Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz Gefühls- und Verhaltensstörungen vorzubeugen. Die Schule sollte, neben Lesen und Schreiben und Mathematik, auch helfen die grundlegenden Sozialkompetenzen zu entwickeln. Gefragt sind gewaltfreie Konfliktlösungsstrategien, Deeskalationstechniken und friedliche Selbstbehauptung. Die wichtigsten Bausteine sind:
- Regeln für das Zusammenleben: Anerkennung und Liebe sind wichtig.
- ein gesundes Selbstwertgefühl: Menschen, die mit ihrem Leben und ihren Perspektiven zufrieden sind; Individuen mit hohem Selbstwertgefühl fühlen sich meist gut und sind optimistisch.
- emotionale Intelligenz, d.h. emotionale Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsfähigkeit zusammen mit der Kompetenz auf Gefühle angemessen reagieren zu könnnen.
- Selbstkontrolle: Umgang mit unangenehmen Gefühlen, wie Wut, Angst oder Frustration. Abnahme der Impulsivität
- Problemlösungsstrategien: konstruktive, positive Grundhaltung
- soziales Zusammenleben und Freundschaften: Mitgefühl, Fairness, ein guter Gewinner und auch mal ein guter Verlierer zu sein, wissen wie man Freundschaften schliesst und pflegt, und wie man sich nach einem Streit wieder versöhnt.
Denn mangelnde Selbstkontrolle, geringe emotionale Kompetenzen, fehlende Empathie und Perspektivenübernahme, fehlende soziale Problemlösungsfähigkeiten und ein negatives Klassen- und Schulhausklima sind stark für das Aufkommen von Gewalt und Drogenmissbrauch verantwortlich.
Wichtige Links:
- "Brutal, kaltblütig, gnadenlos", von Elsbeth Tobler, NZZ online, 13.3.10
- Eisner et al., 'Prävention von Jugendgewalt', Eidgenössische Ausländerkommission, 2006
- und der aktuellere und umfangreichere Bericht von 2009, vom Bundesamt für Sozialversicherungen:
- Zürcher Projekt zur sozialen Entwicklung von Kindern - z-proso.
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Bronski Beat - Smalltown Boy.
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