Dienstag, 16. August 2011

Eine Perspektive der Tiefenzeit

Die Entdeckung eines evolutionären Kontextes verändert radikal die Beziehung zu unserer persönlichen Erfahrung mit all ihren Höhen und Tiefen, Herausforderungen und Erfolgen. Wir erkennen einen Kontext der Tiefenzeit, in dem sich Entwicklung über einen langen Zeitraum vollzog - angefangen beim ersten Augenblick, als Etwas aus dem Nichts entstand. So weit wir wissen, existierte vor 14 Milliarden Jahren eine Leere, aus der plötzlich ein Impuls hervorbrach, der Energie, Licht, Materie, Leben, Bewusstsein wurde - und letztendlich du selbst. Wenn du dein eigenes Leben in einem evolutionären Kontext betrachtest, bedeutet das, dass du die Anstrengung machst zu sehen, dass jeder Aspekt deiner persönlichen Lebenserfahrung sich in diesem gewaltigen Prozess ereignet. Und noch bedeutsamer, du beginnst zu erkennen, dass du dich nach der Spitze der Evolution ausrichten musst, um wirklich in der Lage zu sein, zu der Entwicklung beizutragen, in der sich der Prozess vorwärts bewegt und entwickelt. Andernfalls folgst du lediglich den ausgetretenen Wegen und lebst nach den Mustern, die von vielen Menschen zuvor geschaffen wurden. Ohne es zu wissen, wirst du einfach das tun, was alle Anderen tun. Du wirst annehmen, dass du bewusst bist, weil die Evolution dich mit hoch entwickelten kognitiven Fähigkeiten ausgestattet hat. Aber es bedeutet nicht notwendigerweise, dass du etwas Neues tust. Es bedeutet nicht, dass du ein Pionier für Veränderung bist. Ein Pionier für Veränderung zu sein, bedeutet, an der Vorfront dieses gewaltigen Prozesses zu leben und aktiv danach zu streben, durch unsere eigene Transformation den gesamten Prozess voranzubringen, in dem Wissen, dass es 14 Milliarden Jahre gebraucht hat, um zu diesem Punkt zu gelangen.

Andrew Cohen

Samstag, 13. August 2011

Surselva / Street Parade Zurich

Grüsse aus der Heidi-Welt:

"Es ist schön, Wolken dahinziehen zu sehen, aber sie brauchen den heimatlichen Kirchturm, der als Vordergrund bleibt."

Ave Maria, Cantus Firmus Surselva

***

Street Parade Zurich - 20 Years:

Love, Freedom, Tolerance & Respect!






Freitag, 5. August 2011

... trotzdem Ja zum Leben sagen!

Das Buch "... trotzdem Ja zum Leben sagen" von Viktor Frankel beschreibt seine Zeit im Konzentrationslager und versucht so etwas wie eine Psychologie des Konzentrationslagers zu sein. Er beschreibt die unvorstellbaren Grausamkeiten der Lagerwärter. Und er sieht als einzige Fluchtmöglichkeit, die Flucht nach innen. "Ich erfasse, dass der Mensch, wenn ihm nichts mehr bleibt auf dieser Welt, selig werden kann - und sei es auch nur für Augenblicke -, im Innersten hingegeben an das Bild des geliebten Menschen. ... So wenig meint Liebe die körperliche Existenz eines Menschen, so sehr meint sie zutiefst das geistige Wesen des geliebten Menschen, sein "So-sein" (wie es die Philosophen nennen), dass sein "Dasein", sein Hier-bei-mir-sein, ja seine körperliche Existenz überhaupt, sein Am-Leben-sein, irgendwie gar nicht mehr zur Diskussion steht. ... So weiss ich in diesem Augenblick um die Wahrheit: "Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz ... Denn Liebe ist stark wie der Tod." (Das Hohelied, VIII, 6.). ... Auch der Humor ist eine Waffe der Seele im Kampf um die Selbsterhaltung. Ist es doch bekannt, dass der Humor wie kaum sonst etwas im menschlichen Dasein geeignet ist, Distanz zu schaffen und sich über die Situation zu stellen, wenn auch nur, wie gesagt, für Sekunden." So sollte es gelingen, dem geistigen Wirbel des Nihilismus, mit dem alle Werte in einen Abgrund der Fragwürdigkeit zu stürzen scheinen, entgegenzuwirken. "Der Verlust des Gefühls, überhaupt noch menschliches Subjekt zu sein, wird dadurch unterstützt, dass der Mensch im Konzentrationslager sich nicht nur vollends als Objekt etwa der Willkür der Wache erlebt, sondern auch so recht als Objekt des Schicksals, als dessen Spielball. Das Schicksal spielt Ball. ... Das beherrschende Gefühl, blosser Spielball zu sein, und der Grundsatz, womöglich nicht selber Schicksal zu spielen, vielmehr dem Schicksal seinen Lauf zu lassen, all dies und noch dazu die tiefgehende Apathie, die sich des Menschen im Lager bemächtigt, machen es verständlich, wenn er jeder Initiative auszuweichen bestrebt ist und sich vor Entscheidungen fürchtet." Frankel hat dennoch - ähnlich wie Sartre - ein radikales, existenzielles Freiheitsverständnis. "Und mögen es auch nur wenige gewesen sein - sie haben Beweiskraft dafür, dass man dem Menschen im Konzentrationslager alles nehmen kann, nur nicht: die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verhältnissen so oder so einzustellen. Und es gab ein "So oder so"!" Wie realistisch diese Freiheit aber ist, und ob sie nicht bloss Ausdruck eines letzten, hoffnungslosen Widerstandes an das Ausgeliefert sein an das Ungeheuerliche ist, bleibt eine offene Frage. Wie gross ist die "Trotzmacht des Geistes" wirklich? - Frankle argumentiert jedoch, dass "jeder Tag und jede Stunde im Lager tausendfältige Gelegenheit gab, diese inner Entscheidung zu vollziehen, die eine Entscheidung des Menschen für oder gegen den Verfall an jene Mächte der Umwelt darstellt, die dem Menschen sein Eigentliches zu rauben drohen - seine innere Freiheit - und ihn dazu verführen, unter Verzicht auf Freiheit und Würde zum blossen Spielball und Objekt der äusseren Bedingungen zu werden und sich von ihnen zum "typischen" Lagerhäftling umprägen zu lassen." Heroisch fährt Frankel fort: "Die geistige Freiheit des Menschen, die man ihm bis zum letzten Atemzug nicht nehmen kann, lässt ihn auch noch bis zum letzten Atemzug Gelegenheit finden, sein Leben sinnvoll zu gestalten. ... Eine letzte Möglichkei, das Leben sinnvoll zu gestalten, ist nämlich eben die Weise, in der sich der Mensch zu dieser äusserlich erzwungenen Einschränkung seines Daseins einstellt. ... Der Mensch wird allenthalben mit dem Schicksal konfrontiert und so vor die Entscheidung gestellt, aus seinem blossen Leidenszustand eine innere Leistung zu gestalten. Man denke nur an das Schicksal kranker Menschen, besonders der unheilbaren." Wie kann man sich mutig, würdig und tapfer seinem Tode entgegenstellen? - "Aber wenn man selber vor ein grosses Schicksal gestellt war, wenn man dann selber vor der Entscheidung stand, sich mit eigener innerer Grösse dem Schicksal eben zu stellen -, dann dachte man längst nicht mehr an jene spielerischen Vorsätze, und man versagte ...! ... [Aber !] Die psychologische Beobachtung an den Lagerhäftlingen hat vor allem ergeben, dass nur derjenige in seiner Charakterentwicklung den Einflüssen der Lagerwelt verfällt, der sich zuvor geistig und menschlich eben fallen gelassen hat; fallen liess sich aber nur derjenige, der keinen inneren Halt mehr besass! Worin hätte nun solch ein innerer Halt bestehen sollen und können?" Da der Lagerinsasse auf unbestimmte Zeit interniert war, wurde er zu einer "provisorischen Existenz". Er kennt keinen Entlassungstermin. Es herrscht eine Ungewissheit des Endes. "Er kann nicht mehr, wie der Mensch im normalen Dasein, auf die Zukunft hin existieren. Dadurch aber verändert sich die gesamte Struktur seines Innenlebens. Es kommt zu inneren Verfallserscheinungen." Frankel kann dieser Welt des Entsetzens dennoch noch was positives abgewinnen: "Die totale Entwertung der Realität, wie sie der provisorischen Existenzweise des Lagerhäftlings entspricht, verführt einen vollends dazu sich gehen zu lassen, sich fallen zu lassen - da ja ohnedies "alles zwecklos" sei. Solche Menschen vergessen, dass oft gerade eine aussergewöhnlich schwierige äussere Situation dem Menschen Gelegenheit gibt, innerlich über sich selbst hinauszuwachsen." Anstatt, dass das Leben versandet, sollte ein inneres Siegen gelernt werden. Um sich innerlich aufzurichten, muss man wieder ein Ziel in der Zukunft finden. Der Psychologe Frankel beschreibt seine Zukunftsvision aus seiner Lagerzeit so: "Plötzlich sehe ich mich selber in einem hell erleuchteten, schönen und warmen, grossen Vortragssaal am Rednerpult stehen. ... Und mit diesem Trick gelingt es mir, mich irgendwie über die Situation, über die Gegenwart und über ihr Leid zu stellen, und sie so zu schauen, als ob sie schon Vergangenheit darstellte und ich selbst, mitsamt all meinem Leiden, Objekt einer interessanten psychologisch-wissenschaftlichen Untersuchung wäre, die ich selber vornehme. ... Wer an eine Zukunft, wer an seine Zukunft nicht mehr zu glauben vermag, ist hingegen im Lager verloren. Mit der Zukunft verliert er den geistigen Halt, lässt sich innerlich fallen und verfällt sowohl körperlich als auch seelisch." Dies macht einem deutlich, wie wichtig Mut und Hoffnung sind! Man muss wieder ein Warum für sein Leben finden, dann lässt sich fast jedes Wie ertragen. Frankel meint, dass wir für die rechte Beantwortung der Lebensfragen, für die Erfüllung der Aufgaben, die jedem einzelnen das Leben stellt, verantwortlich sind. Frankels Antwort auf den Sinn des Lebens ist radikal: "Denn uns ging es längst nicht mehr um die Frage nach dem Sinn des Lebens, wie sie oft in Naivität gestellt wird und nichts weiter meint als die Verwirklichung irgendeines Zieles dadurch, dass wir schaffend etwas hervorbringen. Uns ging es um den Sinn des Lebens als jener Totalität, die auch noch den Tod mit einbegreift und so nicht nur den Sinn von "Leben" gewährleistet, sonder auch den Sinn von Leiden und Sterben: um diesen Sinn haben wir gerungen!"
Frankel stellt dann ganz radikal und für mich unglaubwürdig fest: "Für uns war auch das Leiden eine Aufgabe geworden, deren Sinnhaftigkeit wir uns nicht mehr verschliessen wollten." Ist hier nicht doch der Masochismus durchgebrochen? Frankel löst das Problem der Existenz des Bösen so, dass er es versucht mit dem Leben zu verbinden und zu integrieren. Menschliches Leben hat immer und unter allen Umständen Sinn, und dieser unendliche Sinn des Daseins beinhaltet auch noch Leiden und Sterben, Not und Tod in sich! Wir sollen nicht armselig, sonder stolz leiden und sterben.
Es stellt sich aber auch die Frage, wie konnte so etwas schreckliches wie das KZ überhaupt entstehen? Wie ist es möglich, dass Menschen aus Fleisch und Blut anderen Menschen so entsetzliches Leid zufügen können? - Frankel ist wohl zu zustimmen, "dass ein Grossteil der Lagerwache einfach überhaupt abgestumpft war durch die vielen Jahre, in denen sie gleichsam in zunehmender Dosierung Zeugen des ganzen sadistischen Betriebs im Lager geworden waren." Und Frankel meint hoffnungsvoll, dass man menschliche Güte - wenn auch stark verschüttet - bei allen Menschen finden kann. Für ihn ist das Menschliche schliesslich "eine Legierung von gut und böse"! ... Was also ist der Mensch? Er ist das Wesen, das immer entscheidet, was
es ist. Er ist das Wesen, das die Gaskammern erfunden hat; aber zugleich ist er auch das Wesen, das in die Gaskammern gegangen ist aufrecht und ein Gebet auf den Lippen." Wer aber überlebte, musste vielleicht feststellen, dass niemand der Geliebten noch lebt. Oder dass die anderen Menschen einen nicht verstehen wollen. Verbitterung und Enttäuschung sind die Folge. Längerfristig ist Frankel aber optimistisch für Holocaust-Üblerlebende, denn nach all dem Erlittenen müssen sie nichts mehr auf der Welt fürchten - ausser ihren Gott.

Viktor E. Frankel. 1946/2004. ...trotzdem Ja zum Leben sagen - Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. dtv, München.

Dienstag, 2. August 2011

Sinn und Unsinn von Ersatzreligionen

Was treibt Menschen dazu, Geister und Dämonen anzurufen, den Teufel zu verehren und heidnischen Göttern zu huldigen? Sogar in blutrünstige Rituale stürzen sich manche, im festen Glauben, ihre Verstösse gegen Tabus würden zur Erleuchtung führen, und wenn schon nicht zur Erleuchtung, dann wollen sie wenigstens mehr Macht über das eigene Leben gewinnen - oder das Leben anderer.
Schon immer hat es diese Fluchten vor der bedrohlichen Welt des Alltags mit ihren Sorgen, Ängsten und ständigen Herausforderungen gegeben. Auf der Suche nach mehr Sinn und Sicherheit steigt die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, wenn das Alte keinen Trost mehr bietet. V.a. Jugendliche erliegen den Reizen abseitiger Religion, Logen und Geheimbünde, weil diese sowohl ihren Hunger nach Abenteuer stillen, als auch verheissen, bessere Menschen aus ihnen zu machen und andere Menschen zu verstehen. Das Gefühl, Mitwisser und Profiteur einer geheimen Lehre zu sein, mag im ersten Moment beängstigend erscheinen - überwältigend scheint es allemal. Geheimlehren üben eine seltsame Faszination auf die Menschen aus. Diejenigen, die Mitglieder der geheimen Bünde sind, erhöhen dadurch ihr Selbstwertgefühl, schliesslich gehören sie ja nun einer Elite von Geheimnisträgern an.
Furcht und Faszination liegen stets nah beieinander, überschneiden sich und führen schliesslich zum Handeln. Dem Sinn des Lebens nachzuspüren ist legitim, auch abseits etablierter Religionen. Das hat es immer gegeben und wird es weiter geben. Waren nicht auch das Christentum und der Islam zunächst kleine Sekten, die vor Hunderten von Jahren eine "neue Magie" verströmten?
Oberstes Gebot ist Satanisten das Handwerk zu legen, die ihren Jüngern befehlen, andere Menschen zu verstümmeln oder gar auszulöschen. Mit Hilfe von Ritualen und Ekeltrainings, z.B. Verzehr von Kot und Urin, sollen bewusst Grenzen überschritten werden, um so zu einer Bewusstseinserweiterung zu gelangen. Das Gefühl, über Rituale grosse Macht über Menschen und andere Kreaturen zu bekommen, latent vorhandene Wut auszuleben, Naturgesetze zu seinem Vorteil verändern zu können, stellt für manchen ichschwachen Menschen einen Grund dar, sich dem Satanismus zuzuwenden.
Die Geheimgesellschaft wird zu einem Bild und Projektionsort von Furcht und Faszination und stellt eine Form des Ausdrucks von grundsätzlichen, existenziellen Ängsten dar. Sie ist auch eine Antwort auf "die Neue Unübersichtlichkeit" der Moderne, dass die überschaubare, rational geordnete, eventuell demokratisch verantwortete Gesellschaft nur eine Maske für tatsächlich andere Machtverhältnisse sein könnte. So die Quelle aller Verschwöhrungstheorien. Umgekehrt richten sich utopische Hoffnungen auf geheime Gesellschaften - die wegen einem allgemeinen fortschrittsfeindlichen Klima - zunächst nur im geheimen wirken können. Sie sollten bereits erreichen, was die Gesellschaft als Ganzes so offensichtlich (noch) nicht zustande bringt: umfassende Aufklärung, Erziehung und Besserung des Menschengeschlechts.

Editorial "Sinn und Unsinn", Hans-Hermann Sprado, S.3,
"Warum sind Gehiemlehren so erfolgreich?", Michael Kneissler, S. 78-84,
PM Magazin - Magazin des Wissens, Nr. 08, 2011.

Evolution der Kooperation

Die bekannte Urformel der Evolution besteht aus Mutation und Selektion – genetische Vielfalt führt dazu, dass die am besten Angepassten überleben und sich bevorzugt fortpflanzen. Deshalb hielt man die Geschichte des Lebens lange für einen von Eigennutz geprägten Überlebenskampf: Doch jetzt zeichnet sich immer mehr ab, wie wichtig die Bedeutung der Kooperation ist. Dank Computersimulationen, Laborversuchen und Primatenforschung ist das Thema ins Zentrum wissenschaftlicher Aufmerksamkeit getreten.
Vor kurzem hat der österreichische Biomathematiker Martin Nowak von der amerikanischen Harvard University in einem Buch* gezeigt, dass sich Zusammenarbeit fast überall in der Natur findet – bei Pflanzen, Tieren, Mikroben und sogar den Urmolekülen des Lebens. Und auch bei Menschen. Kooperation sei, so Nowak, die Triebfeder der Evolution – ohne sie wäre die Erde nie über eine Ursuppe hinausgekommen. Nowak gehört zu den ersten Forschern, die das Problem auf ein sicheres mathematisches Fundament stellen wollen. Kooperation, so sein Schluss, ist kein Kuriosum, sondern eine grundlegende Eigenschaft aller Evolution.

Wie du mir, so ich dir
Im Zentrum seiner Überlegung steht das Gefangenendilemma, das klassische Problem der Spieltheorie: Zwei Gefangene, die gemeinsam eine Bank ausgeraubt haben, werden getrennt verhört. Der Kriminalbeamte macht jedem ein Angebot. Bezichtigt der eine seinen Komplizen des Verbrechens, während der andere schweigt, muss er nur ein Jahr hinter Gitter, der Compagnon aber sechs. Schweigen beide, erhalten sie eine Strafe von zwei Jahren. Sagen beide gegeneinander aus, erhalten sie vier Jahre Gefängnis. Ganz egal also, wie sich der andere verhält, hat jeder der Verbrecher einen Vorteil davon, auszusagen. So gehen beide wohl für vier Jahre ins Gefängnis. Die für beide beste Lösung, zwei Jahre Haft, können sie nur erreichen, wenn sie sich darauf verlassen können, dass auch der andere schweigt. Auch im richtigen Leben stehen Menschen regelmässig vor der Frage, ob sie durch Kooperation ein Risiko eingehen sollen.
Man trifft viele Personen nicht wieder. Warum also helfen? Weil es zu einer wichtigen Ressource verhilft: der Reputation.
Nowak arbeitet in seinem Buch mehrere Kooperationsstrategien der Natur aus. Das klassische Prinzip ist das der Gegenseitigkeit: «Wie du mir, so ich dir.» Wenn du meinen Rücken kratzt, denkt sich der Schimpanse, kratze ich deinen. In grösseren Gruppen gibt es indes ein Problem: Man trifft viele Personen oft nicht wieder. Warum also helfen? Weil es Zugang zu einer kostbaren Ressource schafft: Reputation. Wer anderen hilft, verschafft sich einen guten Ruf – und erhöht damit die Chance, dass künftig andere mit ihm zusammenarbeiten.

Die Gene weitergeben
Ein dritter Kooperationsbeschleuniger nach Gegenseitigkeit und Reputation ist räumliche Nähe, das gute Verhältnis zum Nachbarn. Wer in einem kooperativen Umfeld lebt, dessen Überlebenschancen steigen, weil seine Gruppe im Wettbewerb mit anderen eher besteht. Das bringt Nowak auf den vierten Mechanismus: Gruppenselektion. Unabhängig von den ersten drei Punkten zahlt es sich für alle Mitglieder aus, das Ziel der eigenen Gruppe immer im Auge zu haben. Ein extremes Beispiel ist das Verhalten von Soldaten im Krieg. Aber es zeigt schon, dass eine mögliche Kooperation grossen Aufwand erfordert, den Zusammenhalt der Gruppe zu betonen und den Einzelnen davon abzuhalten, seinen Vorteil doch allein zu suchen.
Mit diesen Thesen hat Nowak in der Fachwelt für Aufregung gesorgt. Während Kooperation aufgrund von Gegenseitigkeit, der Macht des guten Rufes und Nachbarschaftshilfe unter Experten als Evolutionsfaktor kaum bezweifelt wird, gilt Gruppenselektion als überwundene Theorie des frühen 20. Jahrhunderts. Wer erklären will, wie Gruppen überleben, könne das immer mit der natürlichen Auslese von Individuen erklären, betonen Nowaks Kritiker. Der Vermehrungserfolg lasse sich schliesslich danach bemessen, wie oft Erbanlagen an die nächste Generation weitergegeben würden. Und da sei es die beste Strategie, sich und Verwandten zu helfen.

Hilfe vom Ameisenforscher
Die Fähigkeit, Nachwuchs zu hinterlassen, nennen die Evolutionsforscher Fitness. Und meist wird diese genetische Gesamtfitness mit der Verwandtenselektion in einem Atemzug genannt. Der britische Evolutionsbiologe John Burdon Haldane soll es 1955 in einem Pub einmal so formuliert haben: «Ich würde mein Leben für zwei Brüder oder acht Cousins geben.» Allerdings hat er später eingeräumt, zweimal Menschen vor dem Ertrinken gerettet zu haben. Er hätte aber vor der Entscheidung, ins Wasser zu springen, keine Zeit gehabt, noch zu berechnen, wie er mit ihnen verwandt sei.
Nowak hält das Konzept der Vetternwirtschaft für einen wichtigen Mechanismus sozialer Evolution, aber nicht für den einzigen. Kooperative Gruppen hätten immer bessere Chancen im Wettbewerb, egal ob und wie verwandt ihre Mitglieder sind. Ihr Verhalten sei mathematisch auch viel eleganter zu formulieren. Der Biomathematiker steht mit seiner Ansicht nicht allein. Auch der Ameisenforscher und Nestor der Soziobiologie, Edward Wilson, hegt seit Jahren Zweifel an der Verwandtenselektion, obwohl er diese Anfang der Siebzigerjahre zu popularisieren half. Wilson mangelt es an empirischen Beweisen. Er hat mit der Harvard-Mathematikerin Corina Tarnita und Nowak vor einem Jahr im Wissenschaftsjournal «Nature» einen Aufsatz veröffentlicht, in dem sie das bisherige Standardmodell für falsch erklären.
Kooperative Gruppen hätten immer bessere Chancen im Wettbewerb, egal ob und wie verwandt ihre Mitglieder sind, schreibt Nowak.
So liesse sich zum Beispiel auch ohne Verwandtschaft erklären, wie Ameisenstaaten entstehen, bei denen alle Arbeiterinnen auf Nachwuchs verzichten. Demnach muss die Gründerpopulation noch fruchtbarer Tiere nicht miteinander verwandt sein, solange nur einige zufällig ein Gen haben, das sie in der Nähe eines Nests verweilen und für weitere Generationen sorgen lässt. Diese Gruppe kann weniger solidarische Ameisenvölker ausstechen und sich durch Kooperation stärker vermehren. Die Verwandtschaft ihrer Mitglieder wäre dann Folge, nicht Ursache des Sozialverhaltens.

Entsetzte Reaktion der Gegner
Nowaks Publikation löste unter vielen Naturwissenschaftlern Entsetzen aus. Vor wenigen Wochen publizierten die Gegner einen Artikel in «Nature», der von 137 Forschern unterzeichnet wurde. Sie werfen Nowak und seinen Mitstreitern vor, die Fachliteratur nicht genau zu kennen, das Prinzip der Verwandtenselektion missverstanden zu haben und mathematisch viel zu restriktive Annahmen zu machen. Richard Dawkins, der 1976 den Klassiker «Das egoistische Gen» veröffentlicht hat, sagt abschätzig: «Ich habe noch niemanden ausser Nowak und Wilson getroffen, der das ernst nimmt.»
Kooperative Gemeinschaften laufen jedoch immer Gefahr, von Egoisten unterwandert zu werden – das illustriert der Krebs. Der Körper ist eine hochdifferenzierte Zellgemeinschaft, in der bisweilen mutierte Zellen auf eigene Rechnung wuchern – bis zum Tod des Wirts. Deshalb ist Nowaks frohe Botschaft getrübt. Er zeigt in seinen Simulationen zwar, dass Nächstenliebe langfristig am erfolgreichsten ist. Jedoch kommt er zu dem Schluss: «Wir können nicht erwarten, dass Kooperation ewig währt. Aber wir können zumindest sicherstellen, dass Kooperation über längere Perioden Bestand hat – und nur gelegentlich scheitert.»
* Martin Nowak mit Roger Highfield: Supercooperators. Canongate, 2011, nur in Englisch erhältlich, ca. 28 Fr.
"Stark dank Vetternwirtschaft", von Hubertus Breuer, Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, 31.7.2011

Die Evolution der Kooperation ist ein äusserst faszinierendes Gebiet. Ich bin diesen Fragen auch in meiner Dissertation schon im Jahre 2000 nachgegangen. Wen es interessiert, dem sei - als Einführung in das Thema - der erste Teil meiner Diss mit dem Titel: "Cooperation, Social Capital and Social Integration" und dort besonders das erste Kapitel "Social Dilemmas and the Problem of Cooperation" empfohlen. Meine Diss kann kostenlos unter A Reformed European Model (Grin Verlag) gelesen werden.
Der im Artikel erwähnte Harvard-Professor für Mathematik und Biologie Martin Nowak leitet dort das Zentrum Program for Evolutionary Dynamics.

Der Wunsch nach  Freiheit, Würde und Verantwortung ist evolutionär nützlich. D.h. dass es vielleicht kurzfristig für einzelne Individuen sinnvoll sein mag, sich in totalitären Systemen anzupassen, um Repressionen zu vermeiden. Auf lange Sicht dient es dem Fortkommen der Menschen aber mehr, wenn sie sich ethisch korrekt verhalten. Menschen mit hohen moralischen Ansprüchen sind für die Gesellschaft wichtiger als Menschen mti einer hohen Anpassungsfähigkeit. Allerdings vergessen Menschen in totalitären Systemen ihren Wunsch nach Freiheit nicht vollkommen. Sie versetzen ihn lediglich ein eine Art "Schlafmodus". Sobald der Unterdrückungsmechanismus Schwächen zeigt, wird das Freiheitsstreben neue aktiviert.(Es gibt Wissenschaftler, die sogar glauben, dass das Freiheitsstreben genetisch codiert sein könnte.) Wenn die Massen merken, dass sie keine Angst mehr vor Polizei, Militär und Politik haben müssen, gerät das bisherige Machtsystem komplett aus den Fugen. Das funktioniert wie bei einer Lawine!

Haben wir ein Freiheits-Gen?, Michael Kneissler, PM Magazin - Welt des Wissens, Nr. 08, 2011, S.48-53.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Ultimate Reality: Words of Wonder and Reverence

  1. Absolute Spirit, Absolute Consciousness, Absolute Inclusiveness or simply    The Absolute
  2. Allah
  3. Anima Mundi (World Soul, Gaia, Universal Soul)
  4. Atman
  5. Brahma
  6. Buddha
  7. Causal
  8. Christ
  9. Christ Consciousness
  10. Cosmic Christ
  11. Consciousness
  12. Conscious Universe
  13. Divine
  14. Divine Feminie (Kali, Oya, Pele, Mary, Shakti, Black Madonna or any of the other many names for Goddess embodying Absolute Divinity in a female manifestation.)
  15. Divine Mother
  16. Divine Mystery
  17. Divine Presence
  18. Divine Providence
  19. Ein Sof
  20. Ever Present Origin
  21. Evolutionary Spirit
  22. God
  23. Godde
  24. Goddess
  25. God/Buddha
  26. Great Consciousness
  27. Great Interconnectedness
  28. Great Mother
  29. Great Mystery
  30. Great Spirit
  31. Great Union
  32. Great Unity
  33. Great Unfolding
  34. Great Radiance
  35. Great Relationship
  36. Higher Power
  37. Highest Essence
  38. Highest Self
  39. Holy Spirit
  40. I am Who am (a non qualitative personal Divinity)
  41. Infinite Consciousness
  42. Infinite Essence
  43. Infinite Mystery
  44. Infinite one
  45. Infinite oneness
  46. Infinite Source
  47. Infinite Spirit
  48. Infinite Wholeness
  49. Integrative Consciousness
  50. Integrative Spirit
  51. Jehovah
  52. Kosmos
  53. Krishna
  54. Larger Self
  55. Love
  56. Mother Universe
  57. Nondual Awareness
  58. Original Essence
  59. Original Organizing Principle
  60. Pre Big Bang Reality
  61. Post Big Bang Reality
  62. Shakti
  63. Shiva
  64. The Cosmos
  65. The Great Oneness
  66. The Source
  67. The Evolutionary Absolute
  68. The Flow of Life or Life Force (Chi, Elan Vital, Prana)
  69. The Infinite
  70. The Great Oneness
  71. The Great Radiance
  72. The Great Spirit
  73. The Tao
  74. The Great Unified Field
  75. The Great Unity
  76. The Force
  77. The Tripartite Absolute, (a term used within Universe Spirit for the combined        Personal, Evolutionary and Impersonal absolutes of God)
  78. The Absolute Trinity or TriUnity
  79. The Supreme
  80. The Universal One
  81. The Ultimate
  82. The Universe or Living Universe
  83. The Universal or Universe Source, Spirit or Soul
  84. Total Reality
  85. Total Pre and Post Big Bang Reality
  86. The Wholeness of the Universe
  87. Ultimate Concern
  88. Ultimate Reality
  89. Ultimate Universe Reality
  90. Ultimate Truth
  91. Ultimate Unity or Oneness
  92. Ultimate Wholeness
  93. Universe Consciousness
  94. Universe Entity
  95. Universal Life
  96. Universal Oneness
  97. Yahweh
  98. Wakan Taka
Ultimate Reality, Universe Spirituality

Spirit of Life Wholeness Eternal One
Wondrous Creation Grander View Fount of Justice
Transforming Grace Circle of Peace O Liberating Love
Great Spirit, Come and Rest In Me Spirit of Truth, of Life, of Power Streams of Mercy Never Ceasing
Deep Power in Which We Exist Highest That Dwells Within Us Mother Spirit, Father Spirit
Come, Spirit, Come Power of Love Web of Life
Love Eternal Grandeur of Creation Boundless Heart
All My Memories of Love Care that Cares for All Stillness
Heart Beat Power of Hope Within Amazing Grace
Open Heart Wonder of Wonders Eternal Home
Chords of Life Spirit of Love Truth Within
Shaper of All Things Wise Silence Blessed Radiance
The Glory of Creation Beauty of the Earth Deep Yearning
Voice Within Source of All Being in All
Fount of Every Blessing Mother Earth Creative Light and Dark
Unfolding Grace Peace Profound The Universal Mind
Beauty, Truth, and Goodness Mother of the Generations Mercy, Pity, Peace, and Love
One Living Whole Inward Love Truth that Makes Us Free
Silence Hope Undaunted Source of Body and Soul
Spirit Growing in All Longing Fruits of Peace and Love
Still Small Voice Creative Love Blessed Spirit of My Life
Inner Wisdom Inner Beauty Faith, Hope, and Love
Old Mindfulness Giver of All Ever Spinning Universe
Wind of Change The One God
Mother-Father of Us All Lover of All Calm Soul of All Things
Compassion Mysterious Presence Stream of Life
Shield and Defender Living Waters Mystery
Immortal Good Deepest Mystery Universal Beauty
Star of Truth Help of the Helpless Music of the Spheres
Spirit of Heart and Mind Immortal, Invisible Spirit of Life and Renewal
Singer of Life Goddess Author of Creation
Words of Wonder and Reverence, Spirit of Life, UUA

Mittwoch, 27. Juli 2011

Nur EIN Kommentar!

The Authoritarian Character experiences only domination or submission!

Liberal Arts enable man to discover the underlying principles that guide us towards wisdom and virtue.

Deconstruction and Linguistic Analysis: Any "text" past or present can express cultural hegemony, illustrated by the example of oppressed Muslims, women, homosexuals, etc.

Will Multiculturalism imped us from learning the Western Tradition?

The only thing necessary for the triumph of evil is for good men to do nothing!

It should not be surprising that a violent political ideology is proving so attractive to much of the world. The attractive power of fascist ideas has been proven through history. Islam combines the interior comfort provided by religious faith with the outward power of a world-transforming political ideology. Like the revolutionary violence of Communism, Jihad offers an altruistic justification for waging death and destruction. Such an ideology will naturally draw to it violent-minded people while encouraging the non-violent to take up arms themselves or support violence indirectly. Because something is popular hardly makes it benign.

Who controls the present, controls the past.

You shall know the truth and the truth shall make you made...?

Der Starke soll siegen, der Schwache muss sterben!??? - Mein Blog zum Thema sollte nicht weniger als ein einziger grosser Widerspruch zu diesem Satz und dieser menschenverachtenden Logik des Stärkeren sein! Die integrale, evolutionär-spirituelle Antwort darauf ist, dass die Welt eine lebendige Ganzheit im Werden ist. Im Laufe der Evolution hat sich der Mensch als das kooperationsfähigste und liebevollste "Tier" entwickelt. Und die Menschheit ist am Zusammenwachsen hin zur einen Menschheit in einer umfassenden Weltgesellschaft und Weltrepublik. Die Evolution ist progressiv! Die Kooperation zwischen den Menschen muss aber noch radikal ansteigen, damit das planetare Überleben der Menschheit und des Lebens gesichert ist. Leben und Geist müssen eine neue Form der Einheit finden. So beginnt das grosse Universum-Abenteuer!

Dienstag, 26. Juli 2011

Entdämonisierung durch Psychotherapie

  • Das Archaische Weltbild (der Religion) ist vor allem ein Bild: Ich glaube also, kann es aber nicht wissenschaftlich beweisen, dass die allermeisten Phänomene, die wir "dämonisch" bezeichnen, von uns selbst durch intensive Projektionen erzeugt werden
  • Aufgeklärte Psychotherapie: Wogegen, Wofür? - Die Psychotherapie ist gegen alle krankmachenden Unterdrückungen und Entfremdungen. Es geht darum Ohnmacht zu überwinden. Psychotherapie steht für die Verwandlung von Besessenen in psychisch Kranke, die man behandeln kann. Als Kind der Aufklärung geht es bei Psychotherapie um wissenschaftlich geplante Behandlung von psychisch bedingten Leidenszuständen.
  • Aufgeklärte Psychotherapie: Anstelle altehrwürdiger Mythen eine Wissenschaft der erklärten Zuversicht. Diese trockenen Worte haben ein ungeheures Gewicht, denn sie besagen nicht weniger als, dass man dem Dämon, wie ihn das Archaische Weltbild kannte, wenigstens einigermassen Herr zu werden vermag, wenn man nur die dazu nötige "Wissenschaft" beherrscht. Wenn jemand seine Projektionen zurücknehmen kann, dann steht ihm die Energie wieder zur Verfügung, die er in den Aufbau der Projektionen investiert hat. Ausgehend von unserer heutigen wissenschaftlichen Position aus, werden alle geheimnisvoll-mächtigen, mythisch-magischen Praktiken überwunden. Schamanische Heilungsverfahren und Geistheilung, - magisch-abergläubische Praktiken aller Art - sollen durch Wissenschaft geheilt werden. Man kann Therapie erlernen. Sie ist also kein geniales Glücksspiel mit Zufallstreffern, sondern geschieht "mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden". Das Ziel sind bestehende Symptome zu mildern oder zu beseitigen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern, um Reifung, Entwicklung und Gesundheit des Behandelten zu fördern.
  • Aufgeklärte Psychotherapie in der Praxis: Möglichst ganzheitlich und Schritt für Schritt wird versucht, dass vermutete Krankheitsgeschehen immer klarer und griffiger herauszuarbeiten. Reifungsschritte sind notwendig. Das Offenkundigwerden der faktischen, existenziellen Wahrheit in all iheren Formen ist ein notwendiger und heilsamer Prozess. Das Ausdruckswesen Mensch sucht nach diesen Wahrheitsgestalten. Die existenzielle Wahrheit muss gesucht werden.
  • Aufgeklärte Psychotherapie sucht nach Befreiung von den Dämonen des Archaischen Weltbildes! - Wissenschaftliche, aufgeklärte Psychotherapie muss an die Stelle des archaischen Exorzismus tretten.
  • Jeder Mensch bleibt sich aber selbst ein Mysterium. Ein abgründiges, niemals voll einzuholendes Geheimnis.
  • "Geben ist seliger denn nehmen." Erfolgreich behandelte Patienten geben gerne weiter, was sie selbst an Gutem empfangen haben.
  • Der kirchliche Exorzismus: Jeder Exorzismus gehört zum Archaischen Weltbild. Er steht im Zentrum der kultischen Entdämonisierung. Er treibt die bösen Geister aus, denn sie wurden für Krankheit und Unglück aller Art verantwortlich gemacht. Der rituelle Exorzismus ist aber jenes Phänomen, das der Psychotherapie völlig entgegen steht.
  • Verfinsterungen: Wie viel "Licht" benötigt ein Mensch, um dabei psychisch gesund bleiben zu können? Und wieviel "Finsternis" vermag er auszuhalten? Aufgeklärte Psychotherapie muss zum Ausgleich für den Verlust an grossartigen Verursachermythen und Visionen genau überprüfen, wer oder was nun all die Faktoren zusammenbündelt, die sich so negativ auf Patienten auswirken. Wichtig ist dabei, dass gegen seinen Willen man niemanden behandeln kann und auch nicht darf.
  • Der Scham behaftete Bereich der Sexualität scheint die erste Adresse für Dämonisierungen zu sein.
  • Der mächtig gewordene Dämon quält seine Erzeuger. Mit Goethes "Zauberlehrling": "Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los."
  • Wie den Exorzismus überwinden? - Am besten fängt man an, verschiedene religiöse Mythenbildungen zu vergleichen. Der Relativismus wirkt entmythologisiernd. Im besten Fall, kann so der Exorzismus in einer komparativen Schublade entsorgt werden.
  • Was tun Dämonen nach dem Archaischen Weltbild? - Das Archaische Weltbild beginnt mit der Offenbarung des göttlichen Bereichs und dem Kontakt zu ihm, das Aufgeklärte hingegen mit dem methodischen Zweifel, der wissenschaftlich ausgeräumt werden muss (Kritischer Rationalismus). Archaische Formulierung: Dämonen kämpfen gegen Gott und die Schöpfung. Aufgeklärt: Sie verwirren die Motivation der Menschen, die Wahrheit überhaupt. Sie sabotieren das Bemühen "in der Wahrheit zu verbleiben", den eigenen Einsichten zu folgen. Sie bemächtigen sich des Gruppenkonsenses und des Gesellschaftskonsenses über die wirkliche Wirklichkeit dadurch, dass sie versuchen eine gezielte Umstimmung in der das Leben fördernden Atmosphäre herbeizuführen. Ziel ist eine emotionale Störung der Einsicht oder auch eine Abfolge scheinbar logischer Gedanken so nahezulegen, dass die wirkliche Wirklichkeit gestört, verfälscht, als trügerisch, tötend oder gar als nicht existent dargestellt wird. Der Vorgang der tatsächlichen Entdämonisierung, der Befreiung von seelischen Leidenszuständen, Einengungen und Depotenzierungen des Menschen kann fast den Charakter einer kriegerischen Auseinandersetzung um das seelische Überleben des Patienten annehmen. Der Dämon scheint mehr als nur ein Abwehrmechanismus zu sein.
  • Verhüllen - Enthüllen: Psychotherapie kann - vom Glauben aus gesehen - als Endämonisierungsvorgang verstanden werden. Der Glaube - von der Psychotherapie aus gesehen - erscheint dort, wo er nachvollziehbar ist, sehr oft als therapeutisch relevantes Angebot einer neuen, zukünftigen Existenzweise intensiveren, befreiteren Lebens. Dabei bleibt der Glaube letztlich wegen seines transzendenten Bezugs für Psychotherapie und Wissenschaft unerreichbar. Der religiöse Blick auf die Wirklichkeit ist trotzdem häufig eher einer psychotisch-kranken Wahrnehmung zum Verwechseln ähnlich. Aber es gibt keine wirkliche Alternative zu ihm. Und schliesslich kann es doch nicht sein, dass sich so viele irren sollten?
  • Wo sind die Engelsflügel hingekommen? Schliesslich geht es um die gegenseitige Berührung von Therapie und Glauben (inklusive der verschiedenen Religionen). Wichtig ist, dass eine persönlich ganz bedeutsame Entwicklung eines Menschen nur mit Hilfe eines Mitmenschen geschehen kann. Der Therapeut übernimmt die Rolle des Engels, ist aber trotzdem nicht mehr als ein Mensch.
  • Aufgeklärte Psychotherapie als "Wahrheitsagentur": In der Therapie kommt die Wahrheit zutage, sie wird sozusagen immer griffiger, immer wahrer und prägnanter. Es kommt zu "existenzieller Betroffenheit". Das ist auch ein Tor zu jenem Bereich der menschlichen Innerlichkeit, den man mit "Tiefe" zu bezeichnen pflegt. Die Therapie bleibt aber immer bei der konkreten, faktischen Wahrheit der Angelegenheit und bei der inneren Wahrheit. Sie ermuntert die Patienten alles, was für sie wichtig ist, zur Sprache kommen zu lassen.
  • Psychotherapie als hoffnungsvolles Bemühen: Wenn das Resultat eines Geschehens zum Auslöschen eines bestehenden "lebendigen" Wesens führen würde, so sprechen wir von einem negativen oder abtötenden Prozess oder von "Thanatophilie" (Liebe zum Tod): Alles was es gibt, muss ausgelöscht und umgebracht werden. Irgendwann einmal wird diese Arbeit vollendet sein! Im umgekehrten Fall sprechen wir von einem lebendigen, lebensbejahenden Prozess oder von "Biophilie" (Liebe zum Leben). Alles, was es gibt, ist allein schon deswegen zu bejahen, weil es existiert. Und dieses Existieren muss behütet werden. Die Grundreaktion auf diese Situation des Daseins ist Dankbarkeit.
  • Was passiert, wenn die notwendige Therapie einfach verweigert wird? Wenn Einsicht auch kollektiv vermieden wird? Die Grossgruppen, wie Nationen, galten als der eigentliche Ursprung aller Kleingruppen und jeder individuellen Persönlichkeit.
  • Jeder Zweifel spaltet die Kraft des Willens. Es besteht immer die Möglichkeit, einander zu täuschen oder zu manipulieren und auch zu verraten. Von der Ideologie über die Religion in die Psychiatrie.
  • Psychotische Dekompensation ist die Bezeichnung für einen Zusammenbruch der tragenden psychischen Strukturen eines Menschen. (Dekompensation, weil die Belastung nicht mehr durch das psychische System kompensiert werden kann). Sie konnten sich einfach in ihrem Berufsalltag nicht mehr zurechtfinden. Sie fühlten sich von Emotionen, Wahnvorstellungen und Bedrohungen überwältigt.
  • Die Aufklärung sieht in den Religionen immer Erfindungen, Täuschungen, Wunsch und Drohphantasien, bestenfalls Halluzinationen und schlechtestenfalls psychotische Phänomene. Die Freiheit der Selbstbestimmung in der Therapieszene widerspricht der krichlichen Forderung nach Glaubens- und Sittengehorsam. Aber eine "aufgeklärte Religion" sollte trotzdem möglich sein.
  • Wichtig ist die "Lichtung der dunklen Welt" durch wirkliche Aufklärung als das Feuer, das unsere Zeit erreicht hat, zu erhalten und weiterzureichen. So dass schliesslich tatsächlich eine allgemeine, weltweite "Erleuchtung" um sich zu greifen beginnen kann.
  • Hoffnug worauf? - Wenn wir der europäisch-christlichen Tradition folgen, die auch zu den unverzichtbaren Grundlagen des Aufgeklärten Weltbildes gehört, dreht es sich nicht nur um eine additive Verlängerung unserer Lebensspanne. Oder ähnlich mit "Höher! Weiter! Länger! Gesünder! Fitter!" bezeichnete Vorgänge. Es geht v.a. um die bewusste Verwandlung unseres bisherigen Verhältnisses zum Kosmos, dem wir entstammen. Es geht um unser Verhältnis zu den Mitmenschen und Mitgeschöpfen. In der Bibel wird es als der "neue Himmel und die neue Erde", die "wunderbare Erneuerung des wunderbar Erschaffenen" bezeichnet. Dies hat nichts mit "Beendigung", sondern mit "Vollendung" und "Vollkommenheit" und "Ganzheit" zu tun. Trotz Aufklärung und Wissenschaft eilen wir von Wunder zu Wunder. Wir beginnen mit dem Wunder, dass es uns überhaupt gibt, eilen weiter über das Wunder, dass wir einander ansprechen und uns einander zuwenden können, über das Wunder der technischen Beherrschung der Welt bis zum Wunder der "Vergeistigung" und "Vergöttlichung", in dem sich alle Zeit vollendet - ein "ewiger" Schlussakkord sozusagen.
  • Die Bewegung der Psychotherapie hat weit über den ursprünglichen Ansatz hinaus wie ein Katalysator zwischen den beiden grossen Weltbildentwürfen, dem Archaischen und dem Aufgeklärten Weltbild, vermittelt. Sie hat milliardenfach menschlichem Leid eine Perspektive gegeben, wenn sie auch nicht alle Leidenden auf einmal zu heilen oder auch nur zu bessern vermocht hat. Vielleicht ist das aber der Anfang einer umfassenden Vision, die uns alle zu erfassen beginnt. Natürlich sind das fromme Worte. Darin liegt aber die Hoffnung, dass wir als Menschheit vor einem Quantensprung an Erfahrung und Entwicklung stehen könnten und dass das Gute sich eben überall hin wie von selbst verströmt.
Richard Picker. 2009. Exorzismus war gestern - Entdämonisierung durch Psychotherapie. Kösel Verlag, München.

Montag, 25. Juli 2011

Eine neue Stimme im Konzert der Evolutionären Spiritualität

Evolutionary Spirituality: Definition, Principles, History (aka Universe Spirituality, Eco-Spirituality)

Summary of the Definitions of Evolutionary Spirituality

Evolutionary means “of or relating to a process of change,” particularly as it relates to the processes of change of the physical universe and its history. The main definitions of Evolutionary Spirituality are as follows. Evolutionary Spirituality:

1.) embraces progressive evolutionary science and the newest discoveries of cosmology.
2.) embraces integrates the most life-affirming wisdom from all of humanity's spiritual heritage to deepen the meanings discovered by the facts of evolutionary and cosmological science.
3.) embraces what is know as today's eco-spirituality movement.
4.) embraces the evolutionary history of spirituality and religion while simultaneously being engaged in evolutionizing current spirituality and religion.
5.) is a type of omni-denominational meta-spirituality and meta-religion.
6.) is embraced and embodied in its basic in a practical sense within the new Universe Principles of Life.


More about Evolutionary Spirituality

Evolutionary Spirituality (also known as Universe Spirituality, Universe Evolutionary Spirituality, Eco-spirituality and even sometimes process theology,) is one of the key foundational spiritual currents which runs within the New Universe Worldview and Universe Spirituality. The ideas of evolutionary spirituality began to emerge in the 1940 and 1950's simultaneously in the east and west. As a spiritual current and theme it has rich layers of meaning.
Evolutionary Spirituality within Universe Spirituality in part relates to the body of scientific knowledge on progressive evolution and spiritual wisdom that can be discerned or reasonably supported concerning Ultimate Reality and how to live our lives with others by looking directly at and studying the deepest reoccurring patterns, directionality and objective scientific probabilities discoverable within the progressive evolutionary processes of 14 billion years of deep time evolution within the universe.
Evolutionary Spirituality as a spiritual current is important in part because it answers the most basic and important life questions from the deep time objective scientific probabilities drawn from our knowledge about the whole progressive evolution of the universe. It also holds as a key and fundamental principle that by using this deep time objective universe knowledge each of us can become conscious and intentional partners and co-creators of the universe evolutionary process itself and thus more efficiently evolve a better world for ourselves and all of life.
Evolutionary Spirituality teaches about the intelligence and creativity that directionalizes and drives evolution itself. It holds that --- only by using the whole universe biggest picture perspective and motivation can we adequately create wise social forms that will effectively align individual, organizational, and planetary self-interests to overcome the massive planetary challenges we all now face.
Evolutionary Spirituality in answering the key life questions also creates a whole new unitive and empowering perspective to enhance, evolve, support or, challenge (when needed,) our past subjective, mystical or traditional religious answers concerning these essential and fundamental questions about life and living. The key existential questions that this new movement answers from a universe science based perspective are:
Where did we come from? (The question of origin.)
Who are we? (The question of identity.)
Why are we here? (The question of purpose.)
Where are we going? (The question of Destiny.)
What Ultimately matters? (The question of meaning.)
How are we to live with each other, the physical world and its non-human inhabitants? (The questions of ethics, morality and right action.)
What happens when we die? (The question of continuity or finality.)
But evolutionary spirituality is not just evolutionary and cosmological science. It also integrates the most life affirming wisdom from all of humanity's spiritual heritage to deepen the meanings discovered by the facts of science. Barbara Marx Hubbard a leading advocate of Evolutionary Spirituality defines it in consciousness and spiritual terms as follows:
"There is arising a new spirituality, experienced as a form of evolutionary consciousness. This consciousness is three-fold: Backward, Inward, and Forward. It reaches backward in time and identifies itself as the whole progressive evolutionary process of creation, recognizing that within our atoms, molecules, cells, organs, brain is the whole story of creation. At the same time, this evolutionary consciousness looks inward to Source, to Pure Awareness, to Oneness and holds that as its center. And then it looks forward, yearning to express the creative impulse within, in spirit-motivated action on behalf of the evolution of the self and the world. Evolutionary spirituality opens up the path of the co-creator... It is a new person. Its purpose and practices are to incarnate the Great Creating Process, to discover deeper life purpose, and to express that purpose through joining with others in the co-creation of a new world."
Universe Spirit
Evolutionary Spirituality: Definition, ...
History of Evolutionary Spirituality

Universe Spirituality ist v.a. das Projekt von Lawrence Wollersheim. Er wurde in den USA bekannt, weil er als Ex-Scientology-Mitglied Scientology erfolgreich auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagt hat und gewonnen hat. Sein Beitrag zur Evolutionären Spiritualität ist originel. Aber er scheint auch sehr gerne lange Texte zu schreiben, wobei die Qualität nicht immer mit der Quantitä zunimmt. Mit seinen neuen Begriffen wie Universe Spirituatlity, The New Universe Worldview und The New Universe Principles of Life macht er so etwas wie ein "rebranding" und versucht sich so von den Grossen der Szene, wie v.a Andrew Cohen und Ken Wilber, abzusetzen. Insgesamt eine erfreuliche, neue Alternative im Feld der Evolutionären Spiritualität. Interessant ist auch "The Evolutionary Manifesto", das von einem Freund von Wollersheim - John Stewart -  geschrieben worden ist.

Sonntag, 24. Juli 2011

Personalism

Trauernde werfen vor der Insel Utöya Rosen ins Wasser.

Personalism - An Alternative to Both Right and Left Wing Totalitarianism

Modern individualism represented no real challenge to the intellectual environment in which man tended to be seen as a mere phenomenal being, easily assimilated into nature, the impersonal principle of idealism, the unconscious, the cosmic will, or the collectivities of the family, the state, the nation, the social class. Man was a product of external forces, an insignificant piece in a cosmic puzzle, without dignity, freedom, responsibility, or fundamental existential significance. It was this overall, many-faceted intellectual climate and development that produced the personalist counter-movement throughout the nineteenth century, a movement which, by drawing on other, alternative resources in the thought of the Enlightenment and Romanticism as well as on the classical, medieval Christian, and early modern legacy, sought to rescue the unique position and status of the singular human person.
Maritain, too, wrote of personalism as “a phenomenon of reaction” against the “two opposite errors” of totalitarianism and individualism. Contrary to Hegelian collectivism and the fierce individualism of Nietzsche's superman, these thinkers stressed both the inviolable dignity of the individual person and at the same time his social nature and essential relationality.
Underlying this program was Mounier's bold conception of Christian experience, an experience of “tragic optimism,” colored both by the drama of Christian existence and by the certainty of eschatological victory. The Christian's most important virtue is that of the heroic witness, far from the evasiveness or sentimentality of other, eviscerated strains of Christianity. Thus Mounier's idea of the Christian as the watchful athlete engaged in spiritual combat provided a stark response to Nietzsche's criticism of Christianity as a religion of the weak.

Personalism, Stanford Encyclopedia of Philosophy.
A Reformed European Model, you can find a short summary of personalism in my thesis on pages 47 to 51.
hass-im-netz.info, Informationen gegen Rechtsextremismus online.