Freitag, 17. Dezember 2010

Christlicher Fundamentalismus

Zur Debatte stehen:

Die Irrtumslosigkeit der Bibel,

die Jungfrauengeburt,

die Gottheit Jesu Christi,

das stellvertretende Sühneopfer,

die leibliche Auferstehung

und Wiederkunft Jesu Christi.

"Wie komme ich dazu, ausgerechnet im Gottesdienst beim Sprechen des Glaubensbekenntnisses vor allen Leuten regelmäßig zu lügen?
Ich kann doch nicht glauben, dass Jesus vom heiligen Geist gezeugt wurde.
Ich kann nicht glauben, dass Maria Jesus als Jungfrau zur Welt gebracht hat.
Ich kann nicht glauben, dass Jesus nach drei Tagen körperlich auferstanden ist.
Diese Sätze sind eine Aneinanderreihung von Aussagen, die mir viel über frühere Traditionen und Glaubenshaltungen sagen, aber die ich schlichtweg nicht glauben will." Kirchentagspräsident Martin Dolde (2000, Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Frankfurt am Main 2001, Leitung des Gesprächskreises "Offene Kirche", DIE WELT v. 26.08.2000)

Als aufgeklärter Mensch kann man heute keines dieser klassischen, christlichen Dogmen mehr ernst nehmen! Es sollte nicht nur vor unglaubwürdigen Erleuchtungserlebnissen in östlichen Religionen (Hinduismus und Buddhismus) gewarnt werden. Der eigene, biblische Glaube ist ähnlich unglaubwürdig. Da war ziemlich sicher kein Heiliger Geist, der die Bibelchronisten inspirierte, und es gab keine göttliche Wunder, welche den Naturgesetzen widersprechen!
Was bleibt? - Vieleicht das Kreuz als Symbol für das Mass an übermenschlicher Leidensbereitschaft eines guten Menschen für eine Gute Sache!

Sicher hätte es mehr solche Christen-Menschen z.B. während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland gebraucht. Einer Zeit als noch etwa 95% der Deutschen einer der beiden christlichen Konfessionen angehört haben. Denn: "Wie der Wolf in die Schafherde einbricht, so kommen wir" Dr. Joseph Goebbels (30. April 1928, 1933 - 1945 Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Was wollen wir im Reichstag?, Der Angriff. S. 1).

Und ein Unterstüzer dieser Bewegung war Martin Heidegger, wenn er verlauten lässt, dass: "Ich erwartete vom Nationalsozialismus eine geistige Erneuerung des ganzen Lebens, eine Aussöhnung sozialer Gegensätze und eine Rettung des abendländischen Daseins vor den Gefahren des Kommunismus.
Diese Gedanken wurden ausgesprochen in meiner Rektoratsrede (haben Sie diese ganz gelesen?), in einem Vortrag über 'Das Wesen der Wissenschaft' und in zwei Ansprachen an die Dozenten und Studenten der hiesigen Universität." Prof. Dr. Martin Heidegger (1947, Philosoph, Martin Heidegger Gesamtausgabe GA 16, Vittorio Klostermann Verlag, GA 16, S. 430).

Ist also die Philosophie von Heidegger faschistoid? - Heidegger ist auf alle Fälle ein unbequemer Denker. Und gerade "sein kaltes Herz", sein feines Gespür für die Abgründigkeit des menschlichen Daseins ist die Herausforderung. Während es beim christlich-existenziellen Denker Kirkegaard noch einen "Sprung in den Glauben" gibt, ist es bei Heidegger die Todesangst, die uns erzittern lässt und angeblich erst zum wahren Seinsverständnis führt.

Und der ganz grosse Vordenker in Sachen Nihilismus ist natürlich Nietzsche:
"Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gräber und die Grabmäler Gottes sind?
Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend?
Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten?
Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts?
Haucht uns nicht der leere Raum an?
Ist es nicht kälter geworden?
Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?"
Friedrich Nietzsche (1844 - 1900, Deutscher Philosoph, Die fröhliche Wissenschaft, München 1959, S. 166 f).

Gegen diese Unheimlichkeit kann der Geist (nicht das wörtliche Verständnis!) der biblischen Botschaft von einem guten Gott und einem guten Ende (individuell, wie kollektiv) zur Gegenkraft werden!

"Hat die Evangelische Kirche somit nur die Wahl zwischen Verlogenheit und Selbstaufgabe? - Nein, nicht unbedingt. Die EKD könnte sich durchaus ganz offiziell von der Doktrin einer Realexistenz Gottes verabschieden, und den Gottesbegriff statt dessen als memetisches [Prozess der Evolution von Kultur] Konstrukt auffassen, welches für die personifizierte Projektionsfläche menschlicher Werte und (realistischer) Hoffnungen steht.
Täuflinge würden dann beispielsweise nicht mehr auf die patriarchale Dreier-Combo „Vater, Sohn und Heiliger Geist“ getauft, sondern auf „Liebe, Güte und Gerechtigkeit“.
Das apostolische Glaubensbekenntnis, welches von der Mehrheit der Kirchgänger ohnehin nur noch heruntergeheuchelt wird, würde einfach weggelassen. Viele Rituale, die ja sehr wohl einen psychologischen Zweck erfüllen, könnten durchaus bleiben, erführen aber eine zeitgemäße Interpretation.
Die Evangelische Kirche würde gewissermaßen zu einer spirituellen Variante der Aufklärung."
Dr. Michael Seeber (06.12.2008. Die Evangelische Kirche & die atheistische Erschaffung der Welt, Evo-Magazin, Darwin Jahr).

Aus historischer Perspektive ist noch anzuführen:
"Mit der Reformation wurde ein Bildungsvorgang ungeheuren Ausmaßes ausgelöst. […] Insofern ist die Reformation auch Wegbereiter für die Individualität der Moderne, für das Zeitalter der Aufklärung.
Mit der historisch-kritischen Exegese begann im 19. Jahrhundert dieser Vorgang auch die Bibel selbst zu ergreifen.
Es wurde deutlich: Hier hat nicht Gott sozusagen in die Feder diktiert, sondern Menschen haben ihre Glaubenserfahrung zu unterschiedlichen Zeiten zu Papier gebracht."
Bischöfin Dr. Margot Käßmann (2005, Oktober 2009 - Februar 2010 Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, Impulspapier - Strategien für die Gesellschaft von morgen).

Weitere interessante und kritische Zitate zum Thema christlicher Fundamentalismus findet man unter:
Fundamentalismusdebatte

Und für jeden, der sich für den "Geist der biblischen Botschaft" interessiert gibt es zwei Möglichkeiten:
a) Entweder die ganze Bibel von A bis Z, bzw. von Genesis bis zur Endzeit des Johannes zu lesen, in ihrer alten, verstaubten Sprache (variiert ein bisschen je nach Übersetzung). Oder:
b) Eine eingängige Übersetzung in die Form des Fernsehfilms. In den 90er Jahren wurden von einem transatlantischen Konsortium die wichtigsten Kapitel der Bibel in 17 Filme übersetzt und gefilmt. In ca. 37 Stunden kann man sich so gemütlich vor dem Fernseher die Bibel anschauen. Wer daneben noch das Original ein bisschen quer liest, stellt fest, dass die Umsetzung ziemlich gut gelungen ist.
Die Bibel - Gesamtedition

Kommentare:

  1. "Es sollte nicht nur vor unglaubwürdigen Erleuchtungserlebnissen in östlichen Religionen (Hinduismus und Buddhismus) gewarnt werden."

    Die Einsichten und Lehraussagen des Buddha sind doch ziemlich veträglich mit der Wissenschaft und vorallem auch individuell nachvollziehbar. Der Mensch steht im Mittelpunkt.

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  2. Wahrheitssucher ich bin überzeugt, dass der Buddhismus eine wertvolle Lehre ist. Insbesondere wenn sie lehrt, denn Kreislauf des Leidens zum Stillstand zu bringen! Aber neben Wissen und Ethik ist die Meditation von entscheidender Bedeutung. Und dass man so das Nirwana erreichen können sollte (wie das Buddha geschafft haben soll), ist für mich so unglaubwürdig, wie die leibliche Auferstehung von Jesus. Meditation ist zum Entspannen gut, aber nicht für viel mehr. Die Neurowissenschaften scheinen ja auch nicht viel mehr mit ihren Untersuchungen von Meditierenden bestätigen zu können.

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